ponni telephonirt — 1991

das telefon ist, kann man sagen – ohne das zu hinterfragen – lustig wohl und ponni wollte ausprobieren, was es sollte heißen, wenn man spricht mit dem, den man lange nicht geseh'n.

und so stiefelte er los, auf zum telefon, das bloß ein paar meter um die ecke stand, bei einer rosenhecke.

angekommen an der stelle, wo er apparat samt zelle steht, stellt ponni fest: diese zelle ist besetzt und der mann, der drinnen spricht, kümmert sich um ponni nicht – und hört auch nach einer weile gar nicht auf, und ohne eile steckt er münzen nach und nach in des apparates schacht.

während deser herr gesprochen hatte und auch stetes pochen gar nicht half, ihn aus der zelle rauszukriegen auf die schnelle, wurde ponni ziemlich böse und erhob ein mordsgetöse – das der mann zwar drinnen hörte, was ihn jedoch kein bißchen störte...

so etwa nach 'ner viertelstunde in der hecken' öder runden draussen an der zellentür [ich glaube, das verstehen wir] dachte ponni: “es ist kalt“ und weiterhin: “jetzt reicht es bald".

ponni wollte endlich sprechen, und jetzt mußte er sich rächen an dem kerl, der ungeniert 'ne ewigkeit telefoniert.

nun ist es gut – für solche fälle hat ponni immer 'was zur stelle. – wohlgemerkt: dieses ist gar nicht jedermannes sache zwar, doch ponni, der erfahrung mit dem schwarzweißpulver und dynamit gesammelt hatte reichlich schon – er wollte nun eine lektion dem mann erteilen, der da drin mal laut, mal leise vor sich hin so lang' schon hing am telefon.

nun heißt das nicht, dass die person daselbst zu schaden kommen darf; vielmehr, daß ponni sehr, sehr scharf das kalkulieren muß, was kommt.

und sein talent beweist er prompt: exakt und geradezu perfekt legt ponni, der dies ausgeheckt, die pulverstangen an die ecken von der zelle – und verstecken heißt es schnelle – er tut dies auch, und zwar gleich dort, bei einem strauch.

entzündet wird sodann die schnur [der kerl telefoniert ganz stur] – und britzel, bratzel, ziemlich hastig auf dem boden, der morastig, läuft der funke stetig längs an seiner lunte...

KAWOOUUUMM !!!

die zelle fliegt fast auseinander – nein, sie biegt sich erst und dann zerfetzt sie.

ach, ist unser mann verletzt? die frage stellt sich gar nicht erst, denn ponni sieht ihn gleich zuerst:

der mann sitzt da, nur ein paar meter weiter in dem sand und zetert wild herum, doch dann verläßt er das gelände. "es ist wohl besser", denkt er sich und ohne murren, ohne zetern, ohne knurren zieht er dann mit einem bangen ausdruck des gesichts von dannen...

– das sprengen war so meisterhaft gemacht, daß wie von geisterhand gehalten dort der apparat am alten orte sich befand – und ponni lachte sich in's fäustchen, denn er dachte:

"was gibt es heut' im telefon?"

eventuell nur einen ton, der anzeigt, daß sein freund zuhause grad' nicht ist...

...doch nach 'ner pause langen wartens in der hecke luft'gen gartens meldet sich sein freund:

"hallo?"

und ponni:

"hi! wie geht's denn so?"

text von arne gedigk

 

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